Gier trifft auf Ambitionen
Im Oktober 2022 veröffentlichte Blizzard Overwatch 2 als Nachfolger zu Overwatch, und schaltete die Server des Originalspiels ab. Es sollte das Spiel modernisieren und die Geschichte mit Story Missionen ausbauen. Doch die Story Missionen wurden erst verschoben, dann komplett gestrichen. Die Modernisierungen kamen bei den Spielern auch nicht gut an. Matches waren nicht mehr 6 gegen 6, sondern jetzt 5 gegen 5, und alle kosmetischen Gegenstände sowie Helden wurden hinter eine Paywall gepackt. Ein Tank weniger pro Team sollte, gemeinsam mit einer Erhöhung der Charakterwerte, die Dauer der Runden reduzieren und das Spiel schneller machen. Im Gegenzug wurden neue Karten mit mehr Deckungsmöglichkeiten ausgestattet. Immerhin wurde das Spiel in den folgenden Jahren um mehr Spielmodi erweitert.
Im Gegensatz zum ersten Overwatch ist der zweite Ableger ein Free-to-Play Spiel und finanziert sich ausschließlich über den Ingame Shop. Die erspielbaren Lootboxen wurden entfernt und durch einen Battle Pass ersetzt. Neue Helden mussten im Battlepass freigeschaltet werden, wenn auch sie Teil der kostenlosen Belohnungen waren. Cosmetics hingegen gab es nur im kostenpflichtigen Battle Pass oder im Echtgeldshop.

Der erste Teil war 2022 etwas eingerostet, auch oder gerade weil es kaum Updates gab (zugunsten der Entwicklung von Overwatch 2). Trotzdem kam der Nachfolger in der Community nicht gut an. Die aggressive Monetarisierung und das schnellere Gameplay wurden stark kritisiert und die Absage des Story Modus enttäuschte viele Fans. Die Spieler fragten sich, was Blizzard all die Jahre gemacht hatte, Overwatch 2 unterschied sich kaum vom ersten Teil.
Die Veröffentlichung von Marvel Rivals zwei Jahre später mit einem faireren Monetarisierungsmodell mit direktem Zugriff auf alle Helden, 6 gegen 6 Modus und natürlich der Marke Marvel war auch nicht hilfreich für Overwatch. Selbst heute hat Marvel Rivals laut SteamDB noch doppelt so viele Spieler wie Overwatch.
Die Wiederbelebung in 2026
Mit dem Start der Saison 1 im Februar 2026 krempelte Blizzard das Spiel deutlich um. Die offensichtlichste Änderung ist sicher die Umbenennung des Spiels zu einfach wieder Overwatch. Das soll Overwatch als sich stetig weiterentwickelndes Spiel hervorheben.
Es wurden auf einen Schlag fünf neue Helden herausgebracht und weitere fünf angekündigt. Die Helden sind jetzt in Subklassen aufgeteilt und es wurde ein neuer Storybogen gestartet. Dieser Storybogen zieht sich über sechs Saisons durch das komplette Jahr und handelt von der Terrororganisation Talon. Zusätzlich wurden das Interface und die Sozialfunktionen, speziell das Ehre-System, überarbeitet. Abschließend wurden alle Helden für jeden freigeschaltet und die Schranke des Battle Passes entfernt.
Die Monetarisierung ist weiterhin aggressiv. Ein einfacher Skin kann über 30 Euro kosten und die Mystic Skins über 90 Euro. Ich finde das ziemlich teuer und glaube, man könnte zu einem Drittel des Preises mehr als dreimal so viel verkaufen. Aber immerhin sind die Lootboxen zurück und man hat wieder die Chance, Skins kostenlos zu erhalten.
Wie ich zu Overwatch kam
Als ich den ersten Trailer zu Overwatch 2014 gesehen hatte, war ich direkt begeistert. Ich mochte den Stil, die Lore erschien mir spannend (gute Lore ist mir wichtig) und Heldenshooter waren damals noch neu. Mit Team Fortress gab es etwas ähnliches, aber Team Fortress ist eher ein Klassenshooter und kein Heldenshooter. Battleborn und Paragon waren die beiden größten Konkurrenten, die das Gameplay klassenbasierter Shooter mit dem Heldensystem von MOBAs wie League of Legends vereinen wollten. Das erste startete recht erfolgreich mit 12.000 gleichzeitigen Spielern in der offenen Beta. Mit dem Release von Overwatch fiel dieser Wert aber schnell auf um die 250 gleichzeitige Spieler. Paragon dagegen hat nie die Beta verlassen, obwohl es kein Flop war. Epic hat es nach einem Jahr überarbeitet und die Community verärgert. Letztendlich wurde die Entwicklung aber zugunsten des damals durchstartenden Fortnites eingestellt.

Keines der beiden Spiele hatte es auf meinen Radar geschafft, weil Overwatch meine komplette Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Ich hatte das Game direkt zu Release gekauft - es war damals nicht kostenlos. Eine Story gab es im Spiel damals aber nicht, diese wurde nur außerhalb des Spiels als Videos und Comics erzählt - von Events wie Junkenstein abgesehen. Overwatch war einfach ein unterhaltsamer Heldenshooter, der gut ausbalanciert und spaßig war. Im Vergleich zu MOBAs waren die Runden eher kurz. Während die Matches in League of Legends 2014 um die 45 Minuten dauerten, konnte man auch nur für 30 Minuten in Overwatch springen und in der Zeit zwei spaßige Matches spielen. Es war aber auch möglich, sich im kompetitiven Modus die Ränge hochzukämpfen. Die Helden und Karten haben genug Tiefe, um Strategien, Pfade und Taktiken zu lernen, und sich stetig zu verbessern.
Es gab damals sogar eine von Blizzard organisierte und finanzierte E-Sports Liga. Sie ließen E-Sports Organisationen Teams für größere Städte gründen, eine Idee, um die Verbindung zwischen den Fans und den Teams zu stärken. Der Plan war es, dass die Teams sich gegenseitig besuchen und öffentlich gegeneinander spielen. Eigentlich klang das nach keiner schlechten Idee, aber nach den ersten Jahren machte Covid-19 die Matches vor Ort unmöglich. In Kombination mit anderen fragwürdigen Entscheidungen von Blizzard führte das zu einem Rückgang der Popularität der Overwatch League und letztendlich wurde sie Ende 2023 mit großen Verlusten für Blizzard komplett eingestampft. Ich mochte die Idee damals, auch wenn ich selbst kein favorisiertes Team hatte.
Ich bin wieder am Haken
Vor ein paar Wochen wurde mir Overwatch irgendwo im Steam Store angezeigt. Bis dahin hatte ich gar nicht gewusst, dass Overwatch auch auf Steam verfügbar ist. Als ich die guten kürzlichen Bewertungen gesehen habe, wurde ich neugierig. Laut ProtonDB sollte das Spiel auch gut unter Linux laufen und ich installierte es. Ich fühlte mich sofort zu Hause, sicher auch unterstützt durch die Möglichkeit, meinen Battle.net Account zu verbinden und alle meine bisherigen Skins, auch die aus dem ersten Overwatch, freizuschalten. Das Interface ist anders als früher und ich finde es selbst heute noch nicht intuitiv. Speziell die Auswahl der Spielmodi ist einfach nur eine Wand aus Buttons.

Seit meinem Weggang sind auch viele neue Helden dazugekommen, welche ich erst noch kennenlernen muss. Manche scheinen richtig cool zu sein und ich finde es gut, dass sie aber bestehende Helden nicht unnütz gemacht haben. Meine Langzeit-Favoritin D.Va ist noch immer eine gute Wahl, aber auch Helden wie Reinhardt und Mercy sind weiterhin viel gespielt. Zumindest ist das mein Eindruck aus meinen eigenen Matches sowie aus der kompetitiven Overwatch Championship Series (OWCS), der offeneren und weniger organisierten Nachfolgeliga der eingestellten Overwatch League (OWL). Die OWCS ist weniger professionell, aber trotzdem ein “offizieller” Wettbewerb mit Abdeckung auf Twitch und YouTube. Auf Deutsch konnte ich noch keine Live-Kanäle finden, aber die Englische Variante ist recht gut.
Was mich auch noch freut: Die Geschichte wird weitererzählt. Mit jeder Saison gibt es neue Storyvideos und Comics, die die Geschichte von Overwatch weitertreiben. Wie oben erwähnt war die Lore schon immer ein großer Vorteil von Overwatch für mich. Ich mag Science-Fiction und (Post-)Cyberpunk. Es gab die dunklen Zeiten der Omnic-Krise, die Großkonzerne, die futuristische Technologie und Konflikte. Aber eben auch den Kampf für eine bessere Zukunft, den Kampf, den wir Spieler jeden Tag austragen.
Ich bin also zurück im Spiel. Aktuell spiele ich ungewertete Matches, um wieder in das Spiel reinzukommen. Eventuell probiere ich mich die nächsten Tage und Wochen am kompetitiven Modus. Etwas Angst habe ich davor, dass die anderen Spieler deutlich besser sind als ich und ich durchgehend geflamed werde, vermutlich weil ich wirklich nicht gut bin. Normalerweise spiele ich keine kompetitiven Spiele mehr, aber eventuell ist das meine Chance, nach über 20 Jahren wieder in die kompetitive Szene reinzuschnuppern?